Auszug aus der Chromik des Tambour-Corps Boke e.V.

 

Die Trommeln und die Pfeifen,

die machen ein fein Getön,

mit Trommeln und mit Pfeifen,

da geht´s noch mal so schön.

 

 

Mit diesem Vers aus einem alten Landsknechtslied beginnt die Chronik des Tambour Corps Boke, die aus Anlaß des 50 - jährigen Bestehen im Jahre 1969 -- nachgefeiert 1974 -- erstellt wurde. Heute umfaßt die Chronik inzwischen knapp 150 Seiten, sodaß ein geschlossenes Vorlesen dieses Werkes den Abend sprengen würde.

Sei es nun erlaubt, daß die markantesten Punkte im Laufe der letzten 75 Jahre hier genannt werden:

 

10 junge Männer gründeten 1919-1920 ein Corps, um am Jubelfestzug der Schützenbruderschaft zur 700 - Jahr - Feier teilzunehmen. Der Schützenvorstand unterstützte diese mutigen jungen Leute und stellt die ersten Instrumente zur Verfügung. So zeigt das älteste überlieferte Foto 4 Trommeln, 5 Flöten und einen Taktstock, den zu dieser Zeit Stephan Schmitz inne hatte. Die Ausbildung  lag in geschulten Händen, denn die Gründer hatten bei den „Preußen“ die Handhabung der Instrumente gelernt. Schnell gesellten sich noch weitere junge Männer hinzu, und nach fleißigen Proben in Kiffen Saal --Heonerweimen genannt -- oder im Bruch auf freier Strecke oder unter Fehigen-Affdack, begleitete man den historischen Umzug 1921 durch die Gemeinde mit.

Die erste Uniform für die Spielleute wurde sich von der Post ausgeliehen, mit Schwalbennestern bestückt, und fertig war die erste Spielmannszugskleidung.

 

Später, ca. 1931 berichtet die Chronik von einer kleinen Geschichte, wie sie nur selten überliefert wird:

 

„Am Schützenfestmontag, nach dem offiziellen Teil wollten die Spielleute gern noch weiter feiern, hatten aber ihr Taschengeld schon aufgebraucht. So gingen sie zum Festwirt und wollten die zugesagten 45 Reichsmark für die 9 Mitglieder kassieren. Der Wirt entgegnete ihnen ganz barsch: „Die 45,--  Mark muß ich erst einmal verdienen , bevor ich sie auszahlen kann .“

5 Reichsmark pro Spielmann, ein Frühstück und ein paar Glas Freibier waren der Lohn für Spielleute in dieser Zeit.  Auch damals waren damit auf einem Schützenfest keine großen Sprünge zu machen. Trotzdem half viel Idealismus und Freude an der Musik über alle Schwierigkeiten hinweg. Das Tambourcorps spielte auf den Festen in Anreppen, Delbrück, Thüle, Salzkotten und Paderborn.

1936 wurde das 40-jährige Jubelfest der Kameradschaft im historischen Festzug mitgestaltet, wie die Kriegerfeste vorher und nachher.

 

In den Kriegsjahren zerrissen die Bande in den Vereinen, und auch im Tambourcorps. Viele Spielleute haben ihr Leben im Feld und in der Gefangenschaft gelassen, und so schließt im Jahr 1939 auch der 1. Teil der Vereinschronik, aber nicht um diese Männer zu vergessen.

 

 

 

1948, die Kriegswirren sind vorbei, und ein normales Leben beginnt zu wachsen. Für das Jahr 1949 plante der Schützenverein nach reiflicher Überlegung wieder ein Schützenfest. Dazu benötigte mach auch wieder Marschmusik. Nur woher nehmen, denn durch den langen Krieg fehlten die notwendigen Spielleute, und auch die Instrumente waren nicht vorhanden. So fanden sich wie in den Gründungsjahren wieder junge Männer die viel Spaß und Idealismus zur Marschmusik hatten. In einer Schützenversammlung sagte dann auch das Mitglied Heinrich Remmert: „ Un en nigge Tambourcops möchten wui dann äuk hämmen!“

Gesagt, getan, Instrumente, die nach Befragung der Familien Wolke, Kirchhoff, Kampmeier und Pottmeier wieder auftauchten, wurden verteilt. Eine Trommel kam von Familie Fehige, und die anderen wurden vom Schützenverein angeschafft. Mit Fleiß und Elan ging es ans Werk, und mit der Hilfe von Thüler Spielleuten wurde auf dem Sportfest in Boke das erste Mal wieder aufgespielt. Als Tambour-Major ging Willi Schmitz allen voran, und die Schützenfeste in Boke und Holsen wurden angenommen. Zur Uniform in jener Stunde zählten:

Weiße Hose, schwarze Jacke und grüne Mützen, und nur der Major hatte „Schwalbennester“. Schon 1950 zeigt sich dann ein Corps von 14 Spielleuten in neunen Uniformen. Im diesem Jahr tat dann Willi Schmitz, Tambour-Major und 1. Vorsitzender vom Tambourcorps Boke den Königsschuss. Gute Kameradschaft, Leistungswillen und fleißiges Proben brachten in den folgenden Jahren dem Corps große Erfolge ein.

 

 

 

 

 

 

Ab 1955/56 nahm das Corps an Wettstreiten in Altenbeken, Beckum, Bergheim, Delbrück, Störmede, Bad Oeynhausen, Salzuflen und Sommersell teil. Wertungsbögen, Orden und Urkunden aus dieser Zeit beweisen, wie strebsam unser Corps nach oben wollte. In Oeynhausen errangen die Spielleute 191,2 von 200 Punkten, und der Major 235,8 von 240 Punkten. Am 10. Mai 1959 erhielt das Corps für den Marschvortrag „Alte Kameraden“ 128,8 bzw. 129 von 130 möglichen Punkten. In der Einzelwertung erhielten unsere Solisten Johannes Lübbers (Trommel) und Gregor Remmert (Flöte) 139  und Josef Rüsing (Trommel) und Heinz Krämmer (Flöte) 138 von 140 Punkten.

 

Auf dem Wettstreit 1960 in Delbrück erreichte das Corps 89,9 bei Richter 1 und 88,8 bei Richter 2 von 90 möglichen Punkten. Der Major erhielt 29,9 und 29,5 Punkte von 30 möglichen Punkten. Wie streng die Maßstäbe schon zu dieser Zeit waren, beweisen eindeutig die vorliegenden Wertungsbögen. Insgesamt errechte unser Tambourcorps 3 Major-Preise, 9 silberne und 12 bronzene Mannschaftspreise.  Diese  Erfolge brachten dem Corps nicht nur großes Ansehen ein, sondern auch mehr Arbeit, denn die Mitgliederzahl stieg an, und der Schützenverein spendierte noch weitere neue Instrumente. Im Jahr 1960 wurde die Paradeuniform (wie sie heute noch besteht) und eine dicke Trommel angeschafft.

 

 Am 30. April 1961 veranstaltete das Tambourcorps  erstmals eine kleine Vor-Mai-Feier, zu der alle Boker Vereine eingeladen waren. Ein sattlicher Maibaum wurde vor dem Schwanenkrug gepflanzt, und mit klingendem Spiel und Mailiedern leitete man dann zum Tanz in den Mai über. Seit diesem Jahr gehört diese Feierlichkeit zum festen Beitrag im Jahreskalender der Vereine. In dieser Zeit waren die Spielleute des Tambourcorps Boke auf den Festen in Mantinghasen, Verlar, Boke und Holsen zu hören. Für die Soldaten-

kameradschaft spielte man auf den Jubelfesten in Delbrück, Scharmede, Brenken, Tudorf, Verne, Salzkotten und Kirchborchen, um nur einige Orte zu nennen.

 

In den Jahren 1961-1963 bildete man 12 Knaben aus, um einen Jugendzug aufzubauen. Dieses gelang leider nicht, leitete aber eine neue Epoche beim Tambourcorps ein. Mit dem ersten und einmaligen Zuschuß des Amtes Salzkotten-Boke bildete man dann immer mehr junge Nachwuchsspieler aus, und leistete gute Weiterbildung bei den erfahrenen „Alten“ Hasen. Im Jahr 1966 wechselte dann der 1. Vorsitz im Verein von Willi Schmitz an Gregor Remmert. Ab 1966 übten die spielfreudigen Boker im warmen Sportheim und in der Schule.1968 geleiteten wir Pater Josef Schulte zur Heimatprimiz in die Pfarrkirche. Von nun an sollten sich die Ereignisse im Tambourcorps überschlagen:

 

1969 kamen zu den traditionellen Veranstaltungen noch zwei Groß-Feste hinzu. Im August das Bezirksver-

bandsfest der Kameradschaft und im September das Kreisschützenfest. 1970 war wieder ein ruhiges und normal verlaufendes Jahr, außer am 30. März, denn hier wurde Neupriester Josef Schniedermeier zur Pfarrkirche geleitet.

 

1971 wurde dann zum sogenannten Jubiläumsjahr:  750 Jahre Schützenverein Boke, 50 Jahre Musikverein „Harmonie“ Boke und 50 Jahre Tambourcorps Boke. Und wann feiern wir? Eine alte Höflichkeitsregel „Das Alter geht vor“ ließ uns dann unsere Feierlichkeit auf einen späteren Zeitpunkt verlegen. Im August wurde ein glanzvolles Jubelfest des Schützenvereins gefeiert. Am Sonntag im großen Festzug mit 20 Vereinen übernahmen die Spielleute vom Tambourcorps die Spitze.

 

Dann 1974, genau am 27. u. 28. Juli feierten wir unser 50-Jähriges-Jubiläum nach. Der Samstag stand dabei ganz im Zeichen des Vereins. Nach der Auszeichnung der Jubilare, verlesen der neuen Chronik, Darbietungen der örtlichen Vereine wurde im festlich geschmückten Zelt nach Herzenslust gefeiert und getanzt. Der Sonntag begann mit einem Gottesdienst. Später der Empfang der auswärtigen Vereine mit Festzug und anschließendem Konzert. Ab 20.oo Uhr wurde bis in die späte Nacht getanzt. „Eine große Gratulationscour und ein gelungenes Fest“ schrieb die Zeitung am 29. 7. 1974.

 

In den folgenden Jahren spielten wir wie immer auf den traditionellen Festen, Prozessionen, Geburtstagen, Polterabenden und da wo wir eingeladen waren.

 

Im Jahr 1987 und zwar am 8. Mai wurde durch eine außerordentliche Versammlung die alte Satzung des Vereins außer Kraft gesetzt. Die anwesenden Mitglieder beschlossen das Tambourcorps Boke ins Vereinsregister eintragen zu lassen. Seit dem 8. Sept. 1987 ist das Tambourcorps Boke e.V. im Register des Amtsgerichtes Delbrück unter Nr. 0202 eingetragen.

1989 wurden bunte Uniformen für die Karnevalsumzüge in Delbrück und Scharmede angeschafft.

 

 

 

 

 

Am 29. April 1990 !  Grand Prix der Volksmusik in Thüle!  Wir waren bei den 13 Spielmannszügen und Tambourcorps die einen fairen Wettstreit ausführten. Das Westfälische Volksblatt berichtete am 1. u. 2. Mai :

„Ganz Thüle ein klingendes Dorf, von „Knüppelmusik“ kann keine Rede sein!“ Die Erfolgsbilanz nach 30 Jahren Wettstreitpause kann sich sehen lassen: In der Unterstufe: Platz 1 im Straßenspiel, Platz 2 im Ehren und Hauptehrenspiel und Platz 1 in der Major-Wertung. Diesen Erfolg feierten die Spielleute vom Tambourcorps Boke bis in den frühen Morgen. Am Abend hieß es dann in den Mai tanzen, musizieren und fröhlich den Erfolg vom Vortag weiterfeiern. Auch hier sind wir kleine Meister, denn die Chronik kann berichten, das keiner von oder aus der Rolle gefallen ist. Im gleichen Jahr wurde auch das „Wecken“ am Montag zur Schützenmesse wieder eingeführt. Diese Tradition aus alten Zeiten war im laufe der Jahre durch die vielen jungen Neuzugänge verlorengegangen. In der Generalversammlung dieses Jahres wurden jede Menge Orden und Ehrenzeichen verliehen, und die Zeitung berichtet von einem immer wieder gern gesehenen Gast überall auf den Festen in der Umgebung.

In der Jahreshauptversammlung am 2.11.1991 wurde ein „Ehemaligentreffen“ beschlossen. Im Januar 1992 wurden für den 28. März die Einladungen verschickt, und ganz schnell sagten die ersten ehemaligen Spieler des Tambourcorps zu. Ein prall gefülltes Pfarrheim fand der 1. Vorsitzende Gregor Remmert bei der Begrüßung vor. Nach einer warmen Mahlzeit und einem kühlen Glas Bier kamen dann ganz schnell alte Erinnerungen wieder auf, denn Willi Schmitz, Ehren-Tambour-Major im Verein, erzählte „Dönekes“ und wahre Begebenheiten aus alten Zeiten.

 

Am 3. Mai stand ein Wettstreit in Freienohl auf dem Programm. Zwei neue Stücke waren einstudiert, und wir errangen einen beachtlichen 5. Platz in der 2. Klasse. Unser Tambour-Major Gregor Remmert jun. belegte in der Stabführerwertung Platz 1.

 

1992 stand auch bei uns Spielleuten ganz im Zeichen des Kreisschützenfestes. Zum 2. Mal erlebten ca. 4.000 Schützen unsere Musik beim großen Aufmarsch auf dem Sportplatz und beim Festzung durch die Gemeinde.

 

1993 stellte sich das Tambourcorps in der Stadthalle Delbrück vor. Bei „Boke musiziert“ konnten wir erstmals zwei Stücke vorstellen, die von der herkömmlichen Spielmannsmusik abwichen. Mit TV-Hits und Fiesta gelang uns ein riesiger Durchbruch, und die Zuhörer im Saal waren begeistert.

 

1996 beim 3. Wettstreit im Schmallenberg errangen wir in der Mittelstufe mit dem Musikstück „Die Regimentskinder“ im Ehrenspiel Platz 6, im Hauptehrenspiel mit „Westfalengruß“ Platz 1, im Straßenspiel mit „Fliegermarsch“ Platz 3, in der Konzertklasse mit „Carnival“ Platz 2. Unser Tambour-Major belegte in der Gesamtwertung Platz 2.

 

Diese vielen neuen Musik- und Konzertstücke erlernten die Spielleute in intensiven Wochenendseminaren in den Jugendherbergen Brilon, Silberborn im Solling, Olpe-Stade und Rüthen. Seit 1993 fahren alle aktiven Mitglieder mit ihren Instrumenten, Bettzeug, Süßigkeiten und Getränken für 3 Tage in Karantäne, um dort hart an neunen Stücken zu proben.

 

 

Um von jedem Ständchen, jedem Geburtstag, Hochzeit, Silberhochzeit jedem Aufmarsch ausführlich zu berichten, dazu ist eine Chronik da ; Um Vergangenes im Bild und Schrift festzuhalten, dazu ist ein Chronist da.

Eine Chronik hat kein Ende, nur ich mache nun Schluß, aber nicht ohne Ihnen liebe Zuhörer und Vereinsmitglieder von einem glanzvollen Wettstreit am 20. April in der Stadthalle Delbrück und einem schönen Kommersabend am 3. Mai 1997 im neuen Bürgerhaus in der Chronik weiter zu berichten.